Allerdings bestand zunächst ein praktisches Problem: Der Weg zur Messe nach Stockum führte über rund fünf Kilometer durch unwegsames Gelände. Daher entstand bald der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus. Die Entwicklung nahm rasch Fahrt auf: 1722 beschloss die Generalversammlung der Kölner Kapuzinerprovinz, die Einsiedelei als Residenz zu übernehmen; 1724 genehmigte auch der Landdroste die Kloster-Niederlassung; 1729 erlaubte Erzbischof Clemens August von Bayern die Ansiedlung von vier Patres.
Dank zahlreicher Spenden konnte zunächst ein Klostergebäude und später eine Klosterkirche errichtet werden. Am 5. Mai 1748 wurde die Kirche feierlich geweiht.
Spenden waren für das Projekt unerlässlich, da es sich bei den Kapuzinern, einem aus dem Franziskanerorden hervorgegangenen Zweig, um einen Bettelorden handelt. Eine erhaltene „Spendenanfrage“ der Eremiten an die Werler Erbsälzer[2] gibt davon ein eindrucksvolles Zeugnis. Im Jahr 1719 baten Fölling und Tripmann die Werler Erbsälzer um Unterstützung bei der Anschaffung liturgischer Geräte. Als Gegenleistung versprachen sie, der Stifter und ihrer Familien im Gebet und in der Messe zu gedenken. Auffällig ist der ausgesprochen unterwürfige Ton des Schreibens, das sie als „untertänigste und demütigste Diener … arme Eremiten“ unterzeichneten.
Johannes Fölling verfasste im Jahr 1726 sein Testament. Was er von den folgenden Bauarbeiten noch miterlebte, ist nicht überliefert. Sicherlich aber hätte es ihn erfreut, die Klosterkirche in ihrer heutigen Gestalt zu sehen. Die barocke, zugleich schlichte Saalkirche birgt mehrere bemerkenswerte Kunstwerke: die Barockorgel, ein Geschenk des Freiherrn von Fürstenberg; die drei von Schreinerbrüdern des Ordens einheitlich gestalteten Altäre; der dem Heiligen Antonius geweihte Seitenaltar, zu dem bis heute Wallfahrten stattfinden. Das Thema Wasser findet man in dem von Kurfürst Klemens August gestifteten Hochaltar wieder: Hier wird die Taufe Jesu im Jordan dargestellt.

Im Kloster lebten stets nur wenige Ordensmitglieder – in der Regel vier bis fünf Patres sowie ein bis zwei Laienbrüder –, die sich um Pilger, Kranke und Badegäste kümmerten. Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1834 endgültig aufgehoben. Bereits zuvor war die Aufnahme neuer Mitglieder untersagt worden. Nach dem Tod des letzten Paters wurde die Anlage zunächst in eine Schulvikarie umgewandelt und später als Schule genutzt. Seit 1975 dient das Gebäude als Diözesanzentrum der Katholischen Jungen Gemeinde.
Die Quelle selbst geriet zwischenzeitlich in Vergessenheit. Heute erinnert ein neu errichteter Brunnen aus weißem Kalkstein gegenüber der Kirche an ihre ursprüngliche Bedeutung. Er wurde von dem Stockumer Künstler Johannes Dröge gestaltet und wird von einer Quelle im Berg gespeist.
Quellen:
https://www.archive.nrw.de
https://www.lwl.org/hiko-download/HiKo-Reihe_044_Band_2_Teil_1_(2023).pdf
[1] Ein Tertiarierbruder ist ein Mitglied des sogenannten Dritten Ordens (lateinisch Ordo tertius)). Zum Ersten Orden gehören die Ordensmänner, zum Zweiten die Nonnen und zum Dritten Laien oder Brüder, die nach den Ordensregeln leben, jedoch kein vollständiges klösterliches Leben führen – wie die beiden erwähnten Einsiedler.
[2] Die Erbsälzer, speziell in Soest und Werl, bildeten eine Art wohlhabende und einflussreiche Gemeinschaft, die nicht nur durch ihre wirtschaftlichen Aktivitäten (Salzhandel), sondern auch durch ihre Unterstützung der Kirche und des religiösen Lebens bekannt war.

