Schützenfest oder Kirmes in der Zeitgeschichte

Bis um 1900 war die Kirchmesse im Sauerland ein weit verbreitetes kirchlich‑ländliches Brauchtum: mehrtägige Feste mit Getränkebuden, Kramständen, Tierschauen und ersten Schaustellern, oft verbunden mit Viehmärkten.

Das Schützenwesen war ursprünglich unabhängig davon. Schützenbruderschaften dienten im Mittelalter als Bürgerwehren zur Stadtverteidigung und wandelten sich erst im Laufe der Jahrhunderte zu gesellschaftlichen Vereinigungen. Im 19. Jahrhundert übernahmen sie zunehmend die Bräuche der Kirmes – das gesellige Beisammensein rückte in den Vordergrund, die Schutzfunktion trat in den Hintergrund.

So ersetzte in vielen Orten des Sauerlands das Schützenfest das traditionelle Kirchweihfest. Das Ramsbecker Schützenfest ist ein glaubwürdiges Beispiel dieser Entwicklung: Es zeigt, wie sich ein ursprünglich kirchliches Volksfest den gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit anpasste.

Quellen:
1. St. Hubertus Schützenbruderschaft 1857 e. V. Ramsbeck: Geschichte der Bruderschaft 
2. Schäfer, Jan: Lorenz Kathol (1813–1879), in: Jahrbuch Hochsauerlandkreis 2004, S. 153–155

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