Text: Sabina Butz
Bild: ki-generiert by Gemini
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Im Jahr 1850 wird in Referinghausen, einem kleinen Dorf (Medebach) ein Königlich Preußischer Reise-Paß für das Inland auf den Namen Johann Wolf, geb. am 8. September 1821 in Referinghausen ausgrestellt. Er ist 5 Fuß* groß, hat blaue Augen, blondes Haar und eine spitze Nase. Als Zweck seiner Reise heißt es: „um Maulwürfe zu fangen“ (einzusehen unter www.digitale-heimatstube-referinghausen.de).

Was uns heute skurril erscheint, war im 19. Jahrhundert ein anerkanntes, oft saisonales Handwerk. Diese Spezialisten zogen von Hof zu Hof und stellten Fallen auf, um Ernteschäden auf Wiesen und Feldern zu verhindern. Zudem waren die samtigen Felle der Tiere begehrt; aus ihnen wurden hochwertige Handschuhe oder Westen gefertigt.

Johann Wolf war einer dieser wandernden Handwerker, die auf „Geschäftsreise“ gingen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Angesichts des heutigen strengen Artenschutzes für Maulwürfe wäre dieser Beruf in der Gegenwart undenkbar.

Die Bewahrung der Erinnerung an solche vergessenen Berufe und lokalen Alltagsgeschichten ist spannend, identitätsstiftend und wertvoll. Genau dieses Ziel verfolgt die Heimatstube Referinghausen, die das Dokument von Johann Wolf der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

Das Dorf Referinghausen
Referinghausen ist ein Dorf mit etwas mehr als 200 Einwohnern und liegt rund neun Kilometer nördlich der Kernstadt Medebach. Wer hier lebt, spricht gern vom „Q-Dorf“ – ein augenzwinkernder Hinweis auf die Lebensqualität, aber ebenso auf die vielen Kühe, die das Ortsbild prägen. Tatsächlich leben in Referinghausen bis heute fast doppelt so viele Rinder wie Menschen.

Der Ortsname, früher „Referkusen“, geht auf den Personennamen „Riekfred“ zurück und folgt damit einer altgermanischen Namensbildung. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Referinghausen im Jahr 1269 als landwirtschaftliche Siedlung.

Im frühen 18. Jahrhundert war das Dorf ein lebendiger kleiner Wirtschaftsraum. Die eisenverarbeitenden Betriebe stellten Werkzeuge her, die in der gesamten Region gebraucht wurden – Äxte, Hacken, Sensen und andere Geräte für die Landwirtschaft. 1717 finden sich in Referinghausen ein Schmied, ein Müller, ein Schäfer, ein Schweinehirt, zwei Woll- und Schafhändler, zwei Branntweinbrenner, zwei Schneider, drei Hüttenmeister sowie sechs Hüttenknechte. Im 19. Jahrhundert kam dann ein weiterer Beruf hinzu: der oben erwähnte Maulwurffänger.

* Ein Fuß entspricht 30,48 cm