Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Früher hieß es über Voßwinkel bei Neheim, dass sich dort Fuchs und Hase „eine gute Nacht“ wünschen – so abgelegen war der Ort. In Wulwesort bei Schmallenberg könnte man das noch verstärken: Hier könnten sich heute noch Wolf und Reh „gute Nacht“ sagen. Denn der kleine Weiler liegt im Uentroptal bei Fleckenberg, verborgen zwischen dunklen Nadelwäldern, fast so, als wolle er ungestört bleiben.

Auch der Name des Ortes – 1753 auf einer Karte als „Wolffs orth“ verzeichnet – lässt nicht unbedingt auf menschliche Siedlungen schließen. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die ersten Gebäude in Wulwesort errichtet. 1904 pachtete Gustav H. Müller, ein in Düsseldorf geborener, angeblich königlich-rumänischer Generalkonsul, das Jagdrevier Fleckenberg und ließ dort ein Jagdhaus bauen. Man kann sich gut vorstellen, dass bei den Jagdgesellschaften in diesem repräsentativen Gebäude, der späteren Villa Göbel, reges Leben herrschte. Außerhalb der Jagdzeiten zählte der Ort damals nur 14 Einwohner. 2023 waren es mit lediglich drei erfassten Bewohnern deutlich weniger, die sich noch als „Wulwesorter“ bezeichnen können.

Die Wälder rund um Fleckenberg gehörten im Mittelalter vermutlich den Edelherren von Bilstein. 1484 wird erstmals die Landwehr erwähnt, eine Grenzanlage, die das Gebiet markierte. Ab 1573 stand das Revier unter der Verwaltung der Freiherren von Fürstenberg, bevor es auf Karten des 17. und 18. Jahrhunderts als Besitz des Klosters Grafschaft auftauchte.

Ferdinand Freiherr von Fürstenberg unterteilte das große Jagdrevier in fünf Distrikte, benannt nach den Wohnorten der Jäger: Fleckenberg, Heidschott, Heinsberg, Oberhundem und Saalhausen. Bei Fleckenberg errichteten die Freiherren ein Jagdhaus, das später dem Dorf seinen Namen gab. Der erste feste Wohnsitz wurde 1735 von der Familie Pieper genommen. Knapp hundert Jahre später standen bereits zwei Häuser im Ort. 1878 eröffnete der Landwirt Klemens Wiese ein Gasthaus im „Jagdhaus“, das noch heute im Familienbesitz ist.

Der Ort Waidmannsruh erzählt ebenfalls von der Bedeutung der Jagd. Sein Name stammt vermutlich von einem alten Schießstand, der bis nach dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe des späteren Sägewerks existierte. Ursprünglich gehörte das Gelände zur Siedlung Wiesentrop (auch Wiesendorf), die 1490 vier Höfe zählte. Doch im 15. Jahrhundert verfiel die Siedlung. Erst 1893 errichtete die Familie Kohle dort ein wasserkraftbetriebenes Sägewerk, 1903 folgte ein zweites. Dauerhaft bewohnt wurde der Ort jedoch erst nach 1946.

Noch heute klingen die Spuren der alten Jagd durch die Landschaft: Der Flurname „Wolfskuhle“ bei Fleckenberg erinnert an die Fanggruben, in denen Wölfe durch Köder angelockt wurden. Decken aus Reisig verbargen die tiefen Gruben, aus denen die Tiere nicht mehr entkommen konnten. Eine ähnliche „Wolfskuhle“ findet sich übrigens auch in der Nähe von Voßwinkel. Auch in Blick in die alten Kirchenbücher der Gegend zeigt, dass der Familienname Wolf dort recht häufig vorkam.

Doch nicht dort fand der letzte Wolf des Sauerlands im 19. Jahrhundert sein Ende. Am 3. November 1811 erlegte der Fleckenberger Schütze Jodukus Hanses den letzten Wolf, und zwar nur etwa 2 km von Wulwesort entfernt auf dem Schadfeld.

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