Text: Christel Zidi
Beitrag mit erzählerischen Ergänzungen

Küstelberg, im Jahre 1855

An einem warmen Sommertag, als die Sonne sanft über die grünen Hügel des Sauerlands schien, fand sich Henriette Davidis im gemütlichen Gasthof Ewers zu Küstelberg ein. Die Luft war erfüllt vom Duft blühender Wildkräuter und dem leisen Plätschern eines nahegelegenen Baches. Henriette Davidis, die zu ihrer Zeit bereits als eine der bedeutendsten und renommiertesten Kochbuchautorinnen galt und deren Werke weit über die Grenzen Deutschlands hinaus geschätzt wurden, hatte bewusst die Zeit der Sommerfrische gewählt, um nicht nur Ruhe und Inspiration zu finden, sondern auch den berühmten Küstelberger Pferdemarkt zu beobachten, der alljährlich Leben und geschäftiges Treiben in das sonst so beschauliche Dorf brachte. Henriette liebte es, mit den Küstelbergerinnen ins Gespräch zu kommen, ihnen so manches Rezept zu entlocken, es dann zu verfeinern und ihrer Rezeptsammlung zuzuführen.

Im schattigen Garten des Gasthofs, umgeben von farbenprächtigen Blumen und dem lebhaften Zwitschern der Vögel, nahm sie an einem schlichten Holztisch Platz. Vor ihr lag ein aufgeschlagenes Notizbuch, daneben Feder und Tinte, bereit, neue Rezeptideen sorgfältig niederzuschreiben. Mit wohlwollendem Blick verfolgte sie, wie die Hausmagd frische Kräuter und Milch aus der nahen Bauernschaft hereinbrachte – Zutaten, die Henriette Davidis zu schätzen wusste und die in ihre Arbeit einflossen.

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