Text: Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Grundbesitzlose Landarbeiter im Sauerland des 19. Jahrhunderts am Beispiel von Stockum (Sundern)
Grundbesitzlose Landarbeiter, die sich bei Bauern einmieteten und dafür arbeiteten, bezeichnete man bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts als Einlieger, Beilieger oder Beisassen.
Ein Einlieger musste in erster Linie dem Hofbauern Landarbeit leisten, um seine Miete zu begleichen. Darüber hinaus entstanden weitere Kosten: Wer „es zu etwas bringen“ wollte, benötigte neben der Unterkunft auch Gartenland und einen Pachtacker. Brennholz und – wenn möglich – eine Kuh mussten ebenfalls selbst finanziert werden. Reguläre Steuern an den Landesherrn fielen in der Regel nicht an, wohl aber Abgaben an die Bauernschaft.
Häufig war ein Einlieger gezwungen, Dienstverhältnisse zu mehreren Höfen einzugehen. Die Kosten für Landpacht, Holz, Brotkorn, Nahrungsmittel, Futter, Jungvieh, Gespannhilfe auf dem eigenen Acker, Flachs, Wolle und vieles mehr mussten von ihm getragen werden. Dieses System funktionierte nur, solange auf den Höfen genügend Arbeit vorhanden war.
Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts verschlechterte sich die Lage der ländlichen Lohnarbeiter im Sauerland erheblich. Sie bildeten die unterste Sozialschicht der dörflichen Hierarchie. Anders als in Regionen mit Bergbau wurden die Arbeitsplätze in der Landwirtschaft immer knapper. Oft arbeiteten Mann und Frau gleichzeitig als Tagelöhner; die Kinder wurden entweder mit zur Arbeit genommen oder – wenn sie älter waren – als Hütekinder untergebracht, um das Familieneinkommen zu verbessern.
Die besitzlosen Schichten waren im 19. Jahrhundert in besonderem Maße von den Wertmaßstäben der Grundbesitzer abhängig und litten unter dem Mangel an alternativen Erwerbsmöglichkeiten. Auch im Bildungsbereich standen sie zurück: Die Kinder der Hofbesitzer lernten eher lesen und schreiben, während die Einliegerkinder meist „Hütekinder“ blieben. Daran änderte auch die Einführung der allgemeinen Schulpflicht um 1820 nur langsam etwas. Produktiv zu sein bedeutete im bäuerlichen Verständnis körperliche Arbeit; Lesen und Schreiben gehörten nicht dazu.
Das Sprichwort „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ beschreibt diese Haltung treffend. Die Kinder der Einlieger sollten ebenfalls Lohnarbeit verrichten – unabhängig davon, ob tatsächlich Bedarf bestand.

