Bergbau und Migration
Die Präsenz italienischer Arbeits- und Fachkräfte in Wulmeringhausen reicht noch viel weiter zurück als zu den oben genannten Familien. Die Grube „Gottesgabe“, in der später sowohl die Silvas als auch Gaudino tätig waren, war von 1750 bis 1903 in Betrieb. Laut olsbergwiki.de wurde sie von italienischen Bergleuten angelegt. Gefördert wurden Blei- und Zinkerze. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beschäftigte die Grube bis zu 400 Arbeiter. Viele pendelten täglich aus Altenbüren, Brilon und Rösenbeck nach Wulmeringhausen. Neben der Grube „Gottesgabe“ waren auch die Gruben „St. Johannes“, „Belgrad“, „Luna“, „Nero“ und „Paradies“ wichtige Arbeitsorte.
Italienische Wanderarbeiter waren seit dem Mittelalter in ganz Europa und auch im Sauerland tätig. Besonders begehrt waren Fachkräfte aus Regionen mit langer Erzabbau‑ und Handwerkstradition. Aber auch die Männer aus den Alpen- und Gebirgsräumen Norditaliens waren gefragt. Ihre Kenntnisse im Steinbruch‑, Tunnel‑ und Straßenbau ließen sich unmittelbar im Bergbau einsetzen. Durch familiäre Netzwerke wurden weitere Arbeitskräfte nachgeholt.
Das Witwendorf
Die Arbeit unter Tage war mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden. Staub, Feuchtigkeit und Einsturzgefahr führten dazu, dass viele Bergleute ein geringes Lebensalter erreichten. Das durchschnittliche Sterbealter lag bei etwa 35 Jahren. Aufgrund der hohen Zahl früh verwitweter Frauen erhielt Wulmeringhausen den Beinamen „Witwendorf“.
Auch die Brüder Savino, Raimondo und Carlo Silva starben vergleichsweise jung. Savino und Raimondo erlagen einem für Bergleute typischen Lungenleiden. Carlo Silva starb im Alter von 40 Jahren, einen Monat nach der Geburt seines jüngsten Sohnes, während eines Aufenthalts in seiner Heimatstadt. Drei Monate später verstarb auch der Vater der Brüder, ein Ackersmann.
Und was ist Gaudino, dem Gründer des Wulmeringhauser Musikvereins geworden? Seine Spur lässt sich tatsächlich bis nach Argentinien verfolgen. Aus ihm wurde später ein Händler, der zwischen Genua (Italien) und Buenos Aires (Argentinien) pendelte. Als Geburtsort ist auf den Passierlisten Torino vermerkt, eben auch der Geburtsort der Silvas.
Wulmeringhausen bezeichnet sich selbst als „Das Tor zum Negertal“
1553 entdeckt Claus Koller aus Silbach Blei- und Zinkerz Lagerstätten bei Wulmeringhausen (St. Johannes Gruben).
Auch im Ramsbecker Venetianerstollen arbeiteten italienische Fachkräfte:
Quellen:
https://vereins.fandom.com/wiki/Musikverein_Wulmeringhausen?utm_source=chatgpt.com
www.ancestry.de
https://cemla.com/buscador/?utm_source=chatgpt.com
- In den Hamburger Passagierlisten ist er als „Battista Gaudina“ eingetragen ↩︎

