Hinzu kam das Schuhwerk: Stabile Lederschuhe waren der Oberschicht vorbehalten. Die Landbevölkerung trug Holzschuhe oder ging schlicht barfuß. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass die Bürger Langscheids eine eigene Schule im Ort forderten.

Im Jahr 1803 beantragte Bürgermeister Henke beim Kirchen- und Schulrat, die Bindung an die Enkhausener Schule aufzuheben und in Langscheid eine eigene Schule zu errichten. Die Finanzierung hatte er bereits überschlagen und als machbar eingeschätzt. Doch der Antrag wurde 1809 endgültig abgelehnt. Innerhalb der eigenen Bevölkerung regte sich deutlicher Widerstand: Die Kosten seien zu hoch, der Schulweg nicht so schlimm, die Kinder hätten ihn „schon immer geschafft“, und für die wenigen Kinder im Ort sei eine eigene Schule nicht nötig.

Eine tatsächliche Schulgründung im Jahr 1803 lässt sich nicht eindeutig belegen. Die ältesten erhaltenen Verwaltungsunterlagen zur Langscheider Schule stammen erst aus dem 20. Jahrhundert. Sicher ist jedoch, dass Bürgermeister Henke sich 1803 intensiv um eine Schulgründung bemühte und sie möglicherweise sogar angestoßen hat.

Für heutige Leser mag es ein kleiner Trost sein, dass Bürokratie und finanzielle Interessen auch damals schon eine spürbare Rolle in der Bildungspolitik spielten.

Quellen:
Schmidt, Konrad: Die Freiheit Langenscheid hat das Glück nicht, eine eigene Schule zu haben. In: Jahrbuch Hochsauerlandkreis 2008, S. 131 ff.
https://www.deutschlandfunk.de/schulpflicht-deutschland-100.html
https://wiki.genealogy.net/Langscheid_(Sundern)

Seiten: 1 2

HeBuZi ist ein rein ehrenamtliches Projekt.

Seit Dezember 2025 recherchieren wir in unserer Freizeit die Geschichte des Sauerlands und veröffentlichen unsere Beiträge kostenlos und ohne Werbung.

Damit wir Hosting, Literatur, Domains und den weiteren Ausbau der Website finanzieren können, freuen wir uns über jede freiwillige Unterstützung – ganz gleich in welcher Höhe.

Vielen Dank, dass Sie helfen, regionale Geschichte lebendig zu halten.

Und so geht´s →