Ein Enkel des Kaisers Friedrich Barbarossas zog zum fünften Kreuzzug nach Jerusalem. Unter seinem Gefolge war auch ein Ritter aus der Gegend von Bruchhausen. Als er nach langer Zeit zurückkehrte, empfing ihn seine Frau voller Freude und Erleichterung.

Doch dieses Glück weckte den Neid des Burgvogts. Während der Abwesenheit des Ritters hatte dieser dessen Frau begehrt, war von ihr jedoch entschieden zurückgewiesen worden. Gekränkt und voller Rachsucht beschloss er, sie dafür büßen zu lassen. Heimtückisch säte er Zweifel im Herzen des Ritters und flüsterte ihm ein, seine Frau habe ihn während des Kreuzzugs betrogen.

Von blinder Wut überwältigt, zog der Ritter sein Schwert und tötete seine unschuldige Frau. Sterbend beteuerte sie ihm ihre Treue und offenbarte die Wahrheit: Nie habe sie ihn verraten, allein der Burgvogt sei schuld, der sie aus verschmähter Begierde verleumdet habe.

In diesem Moment erkannte der Ritter seinen schrecklichen Irrtum. Von tiefster Reue erfasst, schloss er die Augen seiner toten Gattin. Dann richtete er sein Schwert gegen den verräterischen Burgvogt und tötete auch ihn. Doch damit fand er keinen Frieden. Gequält von Schuld und Gewissensbissen zog er rastlos umher, unfähig, der Erinnerung an seine Tat zu entkommen.

Schließlich kam er an die Ruhr, nahe einer Burg, dort, wo der Fluss seicht genug war, um ihn zu durchqueren. An diesem Ort rodet er den Wald und errichtete eine einsame Klause. Daneben baute er eine kleine Kapelle zu Ehren der büßenden Maria Magdalena und pflanzte eine Linde, die eines Tages sein Grab beschatten sollte.

Fortan verbrachte der Ritter sein Leben in Gebet, Verzicht und stiller Buße. Gebrochen an Körper und Seele, fand er erst im hohen Alter Frieden. Versöhnt mit Gott starb er und wurde unter der Linde begraben.

Im Laufe der Jahrhunderte veränderte die Ruhr ihren Lauf. Die alte Linde, vom Wind gezeichnet und vom Alter geformt, blüht noch heute. Auch die Kapelle steht weiterhin und erinnert die Menschen unserer Zeit an Schuld, Reue und Sühne.