Bestattungen unter der Kapelle
Bei neueren Sanierungsarbeiten stießen Handwerker auf menschliche Überreste. Eine christliche Bestattung im westlichen Teil der Kapelle weist darauf hin, dass dort möglicherweise schon vor dem Bau der Kapelle Gräber angelegt wurden. Zwei weitere Schädel wurden in der Apsis gefunden und vermutlich im 17. Jahrhundert nach Bauarbeiten erneut bestattet – ein üblicher Umgang mit gestörten Gräbern.
Krise und Rettung im 19. Jahrhundert
Im frühen 19. Jahrhundert geriet der Fortbestand der Kapelle ernsthaft in Gefahr. Pfarrer Franz Lohne (1821–1845) entzog ihr den regelmäßigen Gottesdienst und damit die wirtschaftliche Grundlage. Die Kapelle verfiel und war zum Abbruch bestimmt. Erst 1837 konnte sie durch eine Sammlung und Spenden gerettet werden. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kapelle erweitert und am 10. November 1897 neu eingeweiht.
Trotz der Erweiterung wurde die Kapelle bald wieder zu klein. Für rund 1.300 Gemeindemitglieder entstand daher 1925/26 die neue Pfarrkirche St. Maria Magdalena, die seither das religiöse Zentrum Bruchhausens bildet. Die Rodentelgenkapelle verlor ihre Funktion als Pfarrkirche, blieb jedoch als historisches und spirituelles Kleinod erhalten.
Mit der Industrialisierung wuchs Bruchhausen stark. Straßenbau (ab 1830), Eisenbahnanschluss (1907), Stromversorgung (1911) und neue Betriebe veränderten den Ort grundlegend.
Die Rodentelgenkapelle zählt zu den frühen und bedeutenden Kapellenbauten Westfalens. Ihre verschiedenen Bauphasen sind bis heute an der Dachform ablesbar. Besonders kunsthistorisch wertvoll ist die östliche Fachwerkgiebelwand mit geschnitzten Darstellungen der Heiligen Maria Magdalena und der Heiligen Luzia.
Foto ganz oben: Teta, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

