Das 16. Jahrhundert
Die Schatzregister des 16. Jahrhunderts zeigen nur ein geringes Bevölkerungswachstum. Zwischen 1427 und 1535 steigt die Zahl der Hofstellen kaum an. Dies deutet auf eine stabile, aber auch wenig dynamische Agrarstruktur hin. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts treten neue Namen auf, darunter Kropf, der später für Olsberg von besonderer Bedeutung werden sollte. Gleichzeitig mehren sich Hinweise auf eine beginnende Eisenverarbeitung, die neben der Landwirtschaft zunehmend an Gewicht gewinnt.

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648)
Der Dreißigjährige Krieg markiert einen tiefen Einschnitt. Während das Register von 1628 noch ein weitgehend intaktes Dorf zeigt, spricht das Verzeichnis von 1638 eine erschütternde Sprache. Viele Höfe werden als „wüst“ oder „verarmt“ bezeichnet, Häuser sind eingestürzt, Bewohner leben von Almosen. Krieg, Einquartierungen und Pestjahre haben ihre Spuren hinterlassen. Dennoch bleibt ein Kern der alten Familien im Ort bestehen, und in den folgenden Jahrzehnten setzt ein langsamer Wiederaufbau ein.

17. und frühes 18. Jahrhundert
Im 17. und frühen 18. Jahrhundert tritt die wirtschaftliche Differenzierung deutlicher hervor. Die Kopfschatzregister von 1685 und 1717 erlauben erstmals genauere Einblicke in Haushaltsgrößen, Berufe und soziale Schichtung. Viele Bauern üben neben der Landwirtschaft ein Handwerk aus, vor allem im Bereich der Eisenverarbeitung. Schmiede, Hammerschmiede, Nagelschmiede und Reidemeister prägen das Bild. Die Nähe zu Erzvorkommen und Wasserkraft begünstigt diese Entwicklung. Olsberg wird zu einem Ort, in dem Landwirtschaft und Gewerbe eng miteinander verflochten sind.

18. Jahrhundert
Im 18. Jahrhundert verdichtet sich die Quellenlage weiter. Das Schatzungsbuch von 1773 verzeichnet nicht nur die Hausbesitzer, sondern auch detailliert deren Ländereien und Wiesen. Dabei werden Familiennamen mit Hausnamen verknüpft, was die Besitzgeschichte einzelner Höfe besonders anschaulich macht. Der Familienverband Kropf tritt nun deutlich hervor und vereint mehrere Höfe in seiner Hand. Auch andere Namen wie Körner, Becker, Schulte oder Rüther bleiben über Generationen präsent. Gleichzeitig zeigt sich eine zunehmende soziale Differenzierung: Neben Vollspann- und Halbspannbauern treten zahlreiche Kötter und Beilieger auf. Letztere wohnen zur Miete und verfügen meist nur über geringe Besitzanteile.

Das Kopfschatzregister von 1779 nennt für Olsberg 333 Einwohner, darunter 167 Kinder. Mehr als die Hälfte der Hofbesitzer betreibt ein Handwerk nebenher. Reine Landwirtschaft reicht offenbar immer seltener zum Auskommen. Die wirtschaftliche Vormachtstellung verschiebt sich zugunsten der gewerblich Tätigen, insbesondere der in der Eisenverarbeitung engagierten Familien.

19. Jahrhundert
Mit der Säkularisation und dem Übergang an Hessen-Darmstadt zu Beginn des 19. Jahrhunderts verändern sich die politischen Rahmenbedingungen erneut. Abgaben werden neu geregelt, Besitzverhältnisse überprüft. Besonders deutlich wird dies im Streit um die Olsberger Waldungen in den 1820er Jahren. Die Spannberechtigten beanspruchen die Waldflächen als ihr Eigentum, während staatliche Stellen sie als Gemeindewald behandeln wollen. Die Auseinandersetzungen zeigen, wie wichtig die traditionellen Nutzungsrechte für die bäuerliche Existenz waren.

Insgesamt entsteht aus den Olsberger Steuer-Registern das Bild eines Dorfes mit ausgeprägter Bodenständigkeit. Mehrere Familien lassen sich über 300 bis 500 Jahre hinweg als Hofbesitzer nachweisen. Zugleich wird deutlich, dass diese Kontinuität nicht gleichbedeutend mit Unveränderlichkeit ist. Kriege, wirtschaftliche Umbrüche, steigende Abgabenlast und der Aufstieg des Gewerbes führten immer wieder zu Besitzwechseln und sozialer Umschichtung. Aus dem rein agrarisch geprägten Dorf entwickelte sich allmählich ein Ort mit handwerklich-gewerblicher Struktur, der den Übergang zur Industrialisierung vorbereitete.

Im 21. Jahrhundert prägt Olsberg eine Mischung aus Industrie/Gewerbe, Dienstleistungs- und Gesundheitswirtschaft und Tourismus. Die Landwirtschaft spielt nur eine kleinere Rolle.

Quelle:
Die alten Olsberger Familien und Höfe nach Schatzregistern von 1.427 bis 1.828 von ]osef Rüther, Köln-Deutz
(www.lwl.org / Westfälische Geschichte)

Foto: Gimo61, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

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