Am Halloh stellten sie den Scheiterhaufen. Die Menge kam, wie zu einem Fest. Kinder saßen auf Schultern, Weiber tuschelten, Männer spuckten. Ich stand allein, sprachlos vor Schmerz. Sie band man an den Pfahl. Ihre Stimme klang hell, als sie rief: „Herr, Du weißt, dass ich unschuldig bin. Zeige es diesen Menschen!“


Dann züngelte das Feuer. Ich hielt den Atem an. Und als der Rauch aufstieg, wusste ich: Mein Herz war mit ihr verbrannt.

Die Halloh-Kapelle
Foto: Dominik Bönner, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Auf dem Halloh, in ihrer Asche, wuchs bald ein zartes Pflänzlein, und keiner achtete seiner. Ich ging oft dorthin, schwieg und schaute.
Das Bäumlein wuchs – gerade, schlicht und doch sonderbar. Seine Krone teilte sich bald in fünf Äste, wie eine ausgestreckte Hand – ihre Hand.

Man sagt, es sei ein Wunder. Ich sage: Es ist Gottes Antwort. Ein Zeichen, dass Wahrheit lebt, auch wenn Menschen sie verbrennen.

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