Beitrag mit erzählerischen Ergänzungen

Text: Christel Zidi

Nur wenige Orte im Hochsauerland können die Namen ihrer ersten dort geborenen Einwohner benennen. Breitenbruch gehört zu dieser seltenen Gruppe, deren Anfänge ins späte 18. und frühe 19. Jahrhundert zurückreichen.

Frühe Arnsberger Kirchenbucheinträge belegen das Leben der ersten Kinder im Ort. 1807 wurde Theodor Hubertus Rath, Sohn von Joes Georg Rath und dessen Ehefrau Catherina, geboren. Ein Jahr später folgte Anna Margaretha Schöttler, Tochter von Bernardaus Schöttler aus Niedereimer und seiner Frau Anna Maria Rath.

Doch die schriftlichen Quellen erzählen nicht die ganze Geschichte. Bereits zwei Jahre zuvor, im Jahr 1805, brachte eine junge, unverheiratete Frau aus Hoppecke ihr Kind „auf dem breiten Bruch“ zur Welt. Das Mädchen erhielt den Namen Anna Margaretha. Die Geburt im „Silva bei breiten Bruch“, also mitten im Breitenbrucher Wald, zeigt die harten sozialen Bedingungen jener Zeit: Uneheliche Schwangerschaften galten als schwere Verfehlung, unverheiratete Mütter waren gesellschaftlicher Ausgrenzung und kirchlicher Ahndung ausgesetzt. Um öffentlicher Bloßstellung zu entgehen, musste die Frau ihr Kind fernab der Gemeinschaft zur Welt bringen. Bereits 1802 hatte sie Zwillinge im Wald bei Rumbeck geboren – ein eindrücklicher Hinweis auf die Strenge und Härte der damaligen Ordnung. Das weitere Schicksal der kleinen Anna Margaretha lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.

Noch bevor von einer eigentlichen Ortsgründung die Rede sein konnte, standen auf dem Flurstück Breitenbruch mindestens zwei Gebäude, vermutlich Forsthäuser. Sie bildeten den Grundstein für die spätere Siedlung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts änderten sich die Rahmenbedingungen grundlegend: Mit den Markenaufteilungen und dem Bau der Chaussee von Arnsberg nach Soest erhielt das Gebiet eine bessere verkehrstechnische Anbindung. Auf Anregung des damaligen Regierungs- und Forstrats wurden neue Grundstücke vergeben und Wohnhäuser errichtet. Zusammen mit den bereits vorhandenen Gebäuden entstand eine kleine Ansiedlung, die dem Amt Freienohl zugeordnet wurde und bereits 1819 im Ortschaftsverzeichnis im Zusammenhang mit Uentrop erwähnt wird.

Innerhalb des Ortes lässt sich bis heute zwischen Alt-Breitenbruch und dem später gewachsenen Siedlungsteil unterscheiden. Alt-Breitenbruch verweist möglicherweise auf die Wohnplätze, die bereits vor der planmäßigen Besiedlung existierten. Die neuen Bewohner waren vor allem Waldarbeiter und ihre Familien, die sich in der wachsenden Gemeinschaft niederließen. In den ersten fünf Jahrzehnten stieg die Einwohnerzahl auf etwa 145 Personen. Eine eigene Schule wurde eingerichtet, und die Gastwirtschaft „Spindeldreher“ entwickelte sich zu einem zentralen Treffpunkt, der bis in die Gegenwart Bestand hat. In den folgenden zwanzig Jahren sank die Zahl der Einwohner auf rund 100.

Die formale Konstituierung als Gemeinde Breitenbruch erfolgte auf Grundlage einer ministeriellen Verfügung vom 27. Oktober 1840, wurde jedoch nach späteren Feststellungen erst 1846 tatsächlich umgesetzt.

Ein Blick ins Adressbuch des Kreises Arnsberg von 1928 zeigt, wie sich Breitenbruch in der Zwischenkriegszeit darstellte: 39 Haushalte waren verzeichnet, darunter zahlreiche Waldarbeiter, ein Hilfs-, ein Revier- und ein Staatsförster, Fuhrunternehmer, Wegewärter, Arbeiter sowie eine Landwirtin mit Hausarbeiter. Außerdem werden der Lehrer und ein Schulamtsbewerber genannt, ebenso der Gastwirt des „Spindeldrehers“, dessen Nachfolger bis heute eines der beiden Gasthäuser im Ort betreiben.

Apropo Lehrer: Während der preußischen Verwaltung wurde der Schulunterricht in Breitenbruch zeitweise untersagt. Dieses Verbot blieb jedoch offenbar weitgehend wirkungslos – ein stiller Hinweis auf den eigenständigen und selbstbewussten Charakter der kleinen Waldsiedlung.

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Quellen: www.arnsberg.de und matricula-online