Spekulationen
Es gibt zahlreiche Spekulationen darüber, wer die Kapelle erbaut hat – und aus welchem Grund. Eine eindeutige Erklärung existiert bis heute nicht. Wurde sie von einem Kreuzritter als Nachbildung der Jerusalemer Grabeskirche errichtet? Handelt es sich um die Bußkapelle eines Grafen oder um eine ursprünglich heidnische Kultstätte, die später christianisiert wurde?
Auch Vermutungen über eine astronomische Funktion werden geäußert. Nach den astronomischen Messungen und Berechnungen von Dr. Burghard Steinrücken, dem Leiter der Volkssternwarte Recklinghausen, konnte man im 12. Jahrhundert von der Mitte der Kapelle aus durch das Nordwestfenster genau den Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende beobachten. Durch das Nordostfenster war zudem der Mondaufgang sichtbar, während im Südwesten der Monduntergang zu den sogenannten großen Mondwenden (alle 18,61 Jahre) zu sehen war. Darüber hinaus zeigen seine Untersuchungen, dass die beiden dickeren Mittelsäulen der Kapelle ungewöhnlich präzise entlang der Nord-Süd-Achse ausgerichtet sind. Das ist für Geomantiker[2] ein deutlicher Hinweis, dass die Kapelle bewusst als astronomisch ausgerichtetes Bauwerk errichtet wurde.
Vergleichbare Bauwerke
Aufgrund ihrer ähnlichen Form schließen manche einen Zusammenhang mit den Rundkirchen von Bornholm nicht aus. Aus dem nahegelegenen Soest wird berichtet, dass im 12. und 13. Jahrhundert Fernhandelsbeziehungen bis nach Visby in Dänemark bestanden. Zudem entstanden sowohl die Drüggelter Kapelle als auch die Bornholmer Rundkirchen etwa zur gleichen Zeit.
Eine vergleichbare zwölfeckige (Templer-) OKirche befindet sich in Segovia in Spanien. Sie ist dem „Wahren Kreuz“ („Vera Cruz“) geweiht. Auch die Drüggelter Kapelle wird 1338 in der Übergabeurkunde an das Dominikanerinnenkloster „Paradies“ in Soest als „Heilig-Kreuz-Kapelle“ bezeichnet. Weitere Analogien zu polygonalen Templerkirchen finden sich in Portugal, Nordfrankreich und England.

Foto: Ath, CC0, via Wikimedia Commons

