Kunst für Kirchen und Kapellen
Der größte Teil der bekannten Arbeiten entstand für Kirchen, Klöster und Kapellen. Seine Werkstatt fertigte Altäre, Heiligenfiguren, Grabmäler, Kanzeln und weitere Bestandteile der Kirchenausstattung.
Das Wirkungsgebiet war bemerkenswert groß. Werke der Papen finden sich im östlichen Sauerland, im Hochstift Paderborn, im Gebiet des Klosters Corvey, im Fürstentum Waldeck sowie im nordhessischen Raum bis nach Fritzlar.
Heute werden der Werkstatt etwa150 Objekte an etwa 50 Orten zugeschrieben. Nicht alle lassen sich urkundlich Heinrich oder Christoph Papen zuweisen; manche Zuschreibungen beruhen auf stilistischen Vergleichen.


Fotos: Ath, CC0, via Wikimedia Commons
Zu den bekanntesten Arbeiten zählen der Hochaltar in Padberg (Bild links), der steinerne Hochaltar der Pfarrkirche in Madfeld, der Altar der Kluskapelle in Giershagen (Bild rechts) sowie Werke für die Klöster Gehrden und Dalheim. Hinzu kommen bedeutende Grabmäler für hochrangige Auftraggeber in Bad Wildungen und Korbach.
Besonders umfangreich war die Tätigkeit in der Stiftskirche St. Peter und Paul in Obermarsberg. Zwischen 1707 und 1717 entstanden dort unter anderem Altäre, Kanzel, Chorgestühl, Beichtstühle, Kirchenbänke, Figuren und der Orgelprospekt.
Wo Bergbau, Frömmigkeit und Kunst zusammenkamen
Kaum ein Werk führt so unmittelbar in Heinrich Papens Lebenswelt wie ein um 1700 entstandener Bildstock in Giershagen. Das Relief zeigt einen knienden Bergmann im Gebet. Eisen und Schlägel kennzeichnen ihn als Bergmann, seine Haltung aber als gläubigen Menschen. Der Bildstock war weit mehr als ein Schmuckstück am Wegesrand. Er vermittelt ein eindrucksvolles Bild jener Zeit, in der die gefährliche Arbeit unter Tage und das Vertrauen auf göttlichen Schutz eng miteinander verbunden waren.
„Ein Kunstwerk ersten Ranges“

Wie hoch Papens Kunst noch lange nach seinem Tod geschätzt wurde, zeigt eine Begebenheit aus dem 19. Jahrhundert.
Foto: Einer der von Heinrich Papen gefertigten Bildstöcke
(Ath CC0, via Wikimedia Commons)
Der berühmte Bildhauer Christian Daniel Rauch[1] kam auf einer Reise nach Arolsen durch Giershagen. Dort fiel ihm ein von Heinrich Papen stammendes Heiligenhäuschen am Knappe auf. Es war 1683 entstanden und zeigte einen Ecce homo, also Christus als Schmerzensmann, sowie eine Darstellung der Mater dolorosa, der schmerzensreichen Muttergottes. Rauch war von dem Werk so beeindruckt, dass er sich bei der königlichen Behörde in Berlin für dessen Erhaltung einsetzte. In einer späteren Veröffentlichung wurde das Papen-Werk in diesem Zusammenhang als „Kunstwerk ersten Ranges“ bezeichnet.
Dass ein Bildhauer von Rauchs Rang mehr als ein Jahrhundert später auf die Arbeit des Giershageners aufmerksam wurde und sich für ihren Schutz einsetzte, zeigt die Wertschätzung, die Papens Kunst noch lange nach seinem Tod erfuhr.
Am 12. Dezember 1719 starb Heinrich Papen in Giershagen, im Alter von 74 Jahren. Sein Eintrag im Kirchenbuch ist knapp, aber aussagekräftig. Dort heißt es: „Henricum Papen statuarium“ – Heinrich Papen, Bildhauer.
Heinrichs Sohn Christoph (1678 bis 1735) wurde ebenfalls Bildhauer, arbeitete zunächst an der Seite seines Vaters und führte die Werkstatt nach dessen Tod weiter. Dabei entwickelte er deren Stil eigenständig fort und setzte neue Akzente.
Vater und Sohn Papen prägten die Giershagener Werkstatt über mehrere Jahrzehnte. Was in einem Bergbauort des Sauerlandes entstand, hinterließ Spuren in Kirchen und Kapellen weit über die Region hinaus.
Bergbau, Frömmigkeit und Kunst gehörten in der Welt der Papen eng zusammen. Der Bergbau prägte ihre Herkunft, der Glaube bestimmte viele ihrer Arbeiten, und ihre Kunst verlieh dieser Frömmigkeit eine sichtbare Form.
Bergbautradition in Giershagen
Der Knappenverein „Glück Auf“ Giershagen gilt als der einzige noch bestehende Knappenverein im Sauerland. Er pflegt die Erinnerung an den jahrhundertelangen Bergbau in Giershagen und der umliegenden Region, der erst 1963 mit der Schließung des Verbundbergwerks Christiane endete.
[1] Daniel Rauch (*1777 in Arolsen, †1857 in Dresden) war ein deutscher Bildhauer. Neben seinem Lehrer Johann Gottfried Schadow war er der bedeutendste Vertreter des deutschen Klassizismus und der Begründer der Berliner Bildhauerschule. Zu seinen Hauptwerken gehört das Grabmal für Königin Luise von Preußen.

