Eine verlässliche Wasserversorgung
Als Brilon im frühen 13. Jahrhundert Stadtrechte erhielt, war eine verlässliche Wasserversorgung ein entscheidender Standortvorteil. In einer Zeit, in der viele Siedlungen unter unsicheren Quellen oder saisonalen Gewässern litten, bedeutete die Nähe zu dauerhaft schüttenden Karstquellen Sicherheit und Entwicklungsperspektive. Die Alme deckte den Bedarf an Trink- und Brauchwasser und schuf zugleich die Grundlage für gewerbliche Nutzung.

Entlang des jungen Flusses entstanden seit dem Mittelalter Mühlen verschiedenster Art: Getreidemühlen, Walkmühlen für die Tuchverarbeitung, später auch Ölmühlen und andere wassergetriebene Anlagen. Über Jahrhunderte war die Wasserkraft die wichtigste Energiequelle der Region. Auch wenn Brilon selbst kein Zentrum großindustrieller Eisenverarbeitung war, stand die Stadt doch im montan geprägten Sauerland. Der Briloner Massenkalk war zudem bergbaulich von Bedeutung; in der Umgebung wurden Blei- und Eisenerze gefördert. Wasser war dabei zugleich Ressource und Herausforderung, da starke Zuflüsse die Wasserhaltung in den Gruben erschweren konnten. Die Karststruktur beeinflusste Entwässerungssysteme und die Anlage von Schächten maßgeblich.

Mit dem 19. Jahrhundert und dem Aufkommen neuer Energieformen verlor die Wasserkraft allmählich an wirtschaftlicher Dominanz. Die Bedeutung der Alme als Produktionsfaktor trat zurück, während ihr Wert als Naturraum stärker ins Bewusstsein rückte. Heute sind die Almequellen ein geschütztes Naturgebiet und identitätsstiftendes Landschaftselement. Der Wandel vom Arbeits- und Produktionsraum zum Erholungsraum spiegelt den strukturellen Wandel des Sauerlandes insgesamt.

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Karstquellkopf der Alme
Foto: Friedhelm Dröge, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

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Brilon, Alme: Almequelle

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