Foto: Hild, Hans © LWL-Medienzentrum für Westfalen
Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Nein, das Bild oben ist kein Gemälde von Monet, sondern ein Foto der Almequelle am Buchenberg bei Oberalme. Genau genommen entspringt hier jedoch nicht nur eine Quelle – es sind über 100 einzelne Wasseraustritte.
Wer vor diesem beeindruckenden Naturschauspiel steht und sich vorstellt, wie Menschen vor vielen Jahrhunderten auf die aus dem Fels hervortretenden Wassermassen blickten, mag sich fragen, warum Alme nie zu einem Wallfahrtsort geworden ist.
Zwar galten Quellen seit jeher als Symbol für Reinheit und Leben, doch im katholischen Westfalen entwickelte sich keine ausgeprägte Quellverehrung wie in manchen alpinen oder keltisch geprägten Regionen. Alme ist ein Beispiel dafür, dass nicht jedes symbolträchtige Naturphänomen zwangsläufig sakralisiert wird. Die dauerhafte Wasserführung der Alme schuf vielmehr wirtschaftliche Stabilität und siedlungsgeschichtliche Kontinuität – sie wurde zur Lebensgrundlage, nicht zum Kultort.
Der Flussname
Dass der Ortsname Alme vom Fluss übernommen wurde, entspricht dem üblichen Muster: Zuerst wird das Gewässer benannt, später der Ort. Wahrscheinlich lange vor der schriftlichen Überlieferung entstand auch dieser Name. Er dürfte auf eine indogermanische Wurzel zurückgehen und sinngemäß „die Fließende“ bedeuten. Solche Gewässernamen gehören oft zu den ältesten sprachlichen Zeugnissen einer Landschaft – älter als Urkunden, älter als Ortsgründungen.
Ein bedeutendes Karstquellgebiet
Die Almequellen am südlichen Rand von Brilon zählen zu den bedeutendsten Karstquellen Deutschlands. Aus dem Kalkgestein treten mehrere gut sichtbare Quelltöpfe und zahlreiche kleinere Wasseraustritte hervor. Insgesamt sind über hundert einzelne Austrittsstellen erfasst. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ebenso viele große Quellbecken, sondern um ein verzweigtes System aus Haupt- und Nebenquellen.
Je nach Wetterlage schwankt die Wassermenge deutlich: Nach längeren Regenfällen oder während der Schneeschmelze führen die Quellen besonders viel Wasser, in Trockenzeiten versiegen kleinere Austritte teilweise. Das Wasser sammelt sich zuvor in unterirdischen Hohlräumen des Kalkgesteins und tritt dann klar, kühl und mit nahezu gleichbleibender Temperatur an die Oberfläche. Dieses besondere Naturphänomen prägt nicht nur die Landschaft, sondern auch die Entwicklung Brilons.

