Fast zweihundert Jahre nach Johanns Gang über den Acker, im Jahr 1930, wurde genau dieses Gelände erneut zum Schauplatz genauer Beobachtung. Der Archäologe August Stieren untersuchte hier die Trasse einer geplanten Straße. Was er entdeckte, führte weit zurück in die Geschichte des Ortes: Menschen hatten bereits im frühen Mittelalter auf dieser Anhöhe gelebt – und ihre Toten hier bestattet.

Insgesamt 71 Gräber dokumentierte Stieren. Die meisten der Verstorbenen lagen in West–Ost-Richtung, dem christlichen Ritus folgend, mit dem Blick zur aufgehenden Sonne. Einige Gräber jedoch wichen davon ab. Sie waren in Süd–Nord-Richtung angelegt, teils mit Beigaben versehen – Hinweise auf ältere Vorstellungen und eine Zeit des Übergangs, in der sich neue Glaubensformen nur langsam durchsetzen.

Der Boden, der sich Johann so widerspenstig gezeigt hatte, barg Spuren dieses Wandels. Doch vieles von dem, was einst vorhanden gewesen war, hatte der Pflug längst zerstört. Generationen landwirtschaftlicher Nutzung hatten die Gräber beschädigt, Schichten durcheinandergebracht, Erinnerungen ausgelöscht.

Als 1983 beim Bau einer Wasserleitung erneut in den Boden eingegriffen wurde, zeigte sich das ganze Ausmaß dieses Verlustes. Die archäologischen Schichten waren tiefgreifend gestört. Nur verstreute menschliche Knochen zeugten noch von zerstörten Bestattungen. Lediglich zwei Gräber waren unversehrt geblieben, nahe einer alten Linde. Schlicht angelegt, ohne Beigaben.

Vielleicht hatte Johann an jenem Morgen gespürt, dass der Boden mehr barg, als er preisgab. Dass die Erde sich nicht nur gegen den Pflug wehrte, sondern auch gegen das Vergessen.

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Quelle: lwl-archäologie.de und matricula-online

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