Der Windenborn in Obermarsberg

Das Bild links zeigt den wiederaufgebauten Windenborn (Brunnen).
Foto: Kersti Nebelsiek, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Unter einem Kettenbrunnen oder Windenborn versteht man einen Ziehbrunnen. Er funktioniert nach dem Prinzip eines mechanischen Umlaufsystems. Während ein klassischer Seilbrunnen nur jeweils einen Eimer füllt, basiert der Kettenbrunnen auf kontinuierlicher Bewegung.

Über dem Brunnenschacht war eine Walze montiert und darüber lief eine endlose, in sich geschlossene Kette, die bis unter den Wasserspiegel am Schachtgrund reichte. An der Kette hingen Eimer, Becher oder Lederbeutel mit der jeweiligen Öffnung nach oben. Wurde nun die obere Welle in Bewegung gesetzt, bewegte sich die Kette im Kreis und schöpfte das Wasser nach oben.
Die große Herausforderung in Obermarsberg bestand darin, dass der Brunnen 30m tief durch eine massive Kalksteinschicht gegraben werden musste, um an das Wasser zu gelangen. Eine äußerst schwere Arbeit für die Brunnenbauer, die teilweise in wenigen Zentimetern pro Tag über Jahre bis Jahrzehnte gedauert haben dürfte. Die genaue Bauzeit ist nicht belegt, dürfte aber in der Zeit zwischen 1250 – 1500 liegen.
Der Brunnen ist ca. 30 Meter tief und hat einen Durchmesser von gut 3 Metern.
Mit ihrem Kettenbrunnen sicherten sich die Einwohner von Obermarsberg trotz der exponierten Höhenlage ihrer Stadt eine effiziente Trinkwasserversorgung für damalige Verhältnisse. Allerdings musste die Welle bzw. das Hebewerk mit Menschenkraft angetrieben werden.
Der Windenborn gilt heute als bedeutendes Denkmal mittelalterlicher Ingenieurskunst im Hochsauerlandkreis.
Quellen:
Johannes Bauermann: Marsberg – Geschichte einer Stadt. Marsberg 1994.
www.obermarsberg-historisch.de
https://www.marsberg.de/de/buerger/stadtportrait/ortsteile/obermarsberg.php
https://www.lw-online.de/aktuelles/wer-wie-wasser/die-wasserversorgung-mittelalterlicher-burgen

