Ein Sauerländer Landwirt vertrat die westfälischen Landgemeinden im Zweiten Vereinigten Landtag Preußens

Der Abgeordnete vom Gut Habbel

Der Abgeordnete vom Gut Habbel

Von Habbel nach Berlin

Das Frühjahr 1848 war eine Zeit des Umbruchs. In Frankreich war der König gestürzt worden, auch in den deutschen Staaten wurden die Forderungen nach politischer Mitbestimmung und einer Verfassung immer lauter. In Berlin kam es am 18. März zu Barrikadenkämpfen zwischen Bevölkerung und Militär.

Nur zwei Wochen später, am 2. April 1848, trat im Berliner Stadtschloss der Zweite Vereinigte Landtag zusammen – darunter auch der „Schulte – Landwirt zu Habbel“. Der Zweite Vereinigte Landtag stand damit an der Schwelle zwischen der alten ständischen Ordnung und einer neuen politischen Ordnung.

Preußen besaß damals noch kein vom Volk gewähltes Parlament. Der Landtag beriet deshalb über ein Wahlgesetz für eine neue preußische Nationalversammlung, die gemeinsam mit der Krone eine Verfassung ausarbeiten sollte. Das am 8. April erlassene Gesetz erweiterte die politische Beteiligung erheblich, auch wenn die Abgeordneten noch indirekt über Wahlmänner gewählt wurden.

Als Vertreter der westfälischen Landgemeinden gehörte der Schulte zu Habbel 1848 dem Zweiten Vereinigten Landtag in Berlin an und damit einer Versammlung, die den Weg vom alten Ständesystem zu einer gewählten Volksvertretung mit vorbereitete. Welche politischen Ansichten er selbst vertrat, ist nicht bekannt. Von einem abgelegenen Gut im Sauerland führte sein Weg damit mitten hinein in eine der politisch bewegtesten Zeiten des 19. Jahrhunderts.

Das Ende einer langen Epoche

Mit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts endete die jahrhundertelange Bindung Habbels an das Kloster Wedinghausen. Die Familie Schulte blieb dennoch eng mit dem Hof verbunden.

Erst 1892 ging die Epoche der Schulten zu Habbel endgültig zu Ende: Franz Egon Graf von Fürstenberg zu Herdringen erwarb das Gut. Seit den 1930er Jahren ist Gut Habbel der Sitz eines Steinbruchunternehmens. Der Steinbruch ist nur wenige Fußminuten entfernt. Dort wird überwiegend Grauwacke gebrochen – ein harter, widerstandsfähiger Sandstein, der aufgrund seiner hohen Druckfestigkeit vor allem im  Straßenbau Verwendung findet.

An die frühere Geschichte des Ortes erinnert dagegen eine mächtige Eiche. Der etwa 180 Jahre alte Baum stammt noch aus der Zeit der Schulten zu Habbel und ist heute als Naturdenkmal geschützt. Als 1848 ein „Schulte – Landwirt zu Habbel“ nach Berlin reiste, dürfte die Eiche noch ein sehr junger Baum gewesen sein.

Quellen:
Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, Bestand Q 304t, Nr. 233
www.matricula -online.de
Westfälische Schatzungsregister
Westfälisches Urkundenbuch / LWL – Westfälische Geschichte



Seiten: 1 2

HeBuZi ist ein rein ehrenamtliches Projekt.

Seit Dezember 2025 recherchieren wir in unserer Freizeit die Geschichte des Sauerlands und veröffentlichen unsere Beiträge kostenlos und ohne Werbung.

Damit wir Hosting, Literatur, Domains und den weiteren Ausbau der Website finanzieren können, freuen wir uns über jede freiwillige Unterstützung – ganz gleich in welcher Höhe.

Vielen Dank, dass Sie helfen, regionale Geschichte lebendig zu halten.

Und so geht´s →