Es war kein Labor im modernen Sinn, sondern ein Arbeitsraum zwischen Handwerk und früher Naturwissenschaft, eng verbunden mit der unmittelbaren Produktion im Seilbachtal. Erkenntnisse entstanden nicht durch abstrakte Theorie, sondern durch wiederholtes Ausprobieren. Sein Ansatz war nicht alchemistisch, sondern handwerklich-praktisch, geprägt von Erfahrung, Beobachtung und Experimentieren. Präzise Messgeräte, computergesteuerte Öfen und analytische Verfahren wie Spektroskopie oder Mikroskopie – wie sie in der modernen Metallurgie üblich sind – lagen noch in ferner Zukunft.
Finanziert wurde Beckers Labor vor allem durch Maria von Schildern, eine Frau aus dem westfälischen Landadel, die nicht nur für kirchliche Zwecke stiftete, sondern ausdrücklich auch für Bergwerke – und eben auch für Beckers Laboratorium. Becker selbst plante bei erfolgreichem Betrieb, an der Stelle der Vikarie ein Priesterseminar zu errichten, wozu es jedoch nicht mehr kam – da der erhoffte Erfolg ausblieb.
Mitte des 18. Jahrhunderts entstand südlich von Linnepe die Linneper Hütte, die ab 1770 als Hüttenwerk urkundlich belegt ist. Bereits ab etwa 1730 betrieb der Grevensteiner Pastor Josef Becker im Seilbachtal erste Bergbauaktivitäten mit vorindustriellem Charakter, ohne eine größere Montanindustrie aufzubauen. Die Eisenproduktion wurde erst unter dem Industriellen Anton Kropf und seinem Faktor Joan Wilhelm Schnabel industriell organisiert. Etwa um 1730 entstanden auch die ersten Häuser in Linneperhütte.
Schon 1803 endete der Abbau im Bergwerk Steinknapp; 1820 brannte die Linneper Hütte ab. Zwar wurde Mitte des 19. Jahrhunderts noch einmal Eisenerz gefördert, eine Verhüttung fand danach jedoch nicht mehr statt. Die Überreste des Bergwerks sind bis heute sichtbar und Teil des Bergbauwanderwegs in Sundern.
Quellen:
Wilfried Reininghaus, Reinhard Köhne: Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Aschendorff, Münster 2008, S. 335
Michael Senger: Die Hütten im Seilbachtal. In: Bergbau im Sauerland. Schmallenberg, 1996 S. 219

Foto: Petra Klawikowski, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Bild ganz oben: Generiert by Microsoft Copilot

