Text: Christel Zidi

Beitrag mit erzählerischen Ergänzungen

Das Seilbachtal bei Sundern im 18. Jahrhundert

Schon am frühen Morgen hatte der Pfarrer seine Arbeit im Laboratorium der alten Vikarie begonnen. Als Erstes hatte er die kleinen Feuerstätten angeheizt. Nun stand der Pfarrer vor einem der kleinen Öfen, den Blick fest auf den Tiegel gerichtet. Funken stoben auf und verloschen im Halbdunkel, der Rauch zog in dünnen Schlieren durch den Raum. Er prüfte die Tiegel und bereitete die Erzproben vor. Mit ruhigen, routinierten Handgriffen kontrollierte er Temperatur, Zuschläge und Schmelzverhalten. Jeder Versuch diente einem klaren Zweck: die Eigenschaften der Erze zu bestimmen und die Abläufe im Schmelzwerk zu verbessern.

Im Seilbachtal an der Dickschlade, unweit des kleinen Ortes Linneperhütte, findet man die wenigen Überreste der „alten Vikarie“. Obwohl das Gebäude ursprünglich kirchlichen Zwecken dienen sollte, war seine abgelegene Lage für eine echte Vikarie kaum sinnvoll. Da sie aber in unmittelbarer Nähe des Stollens lag, der schon ab etwa 1730 betrieben wurde, nutzte Pfarrer Johannes Franz Becker die Vikarie – so ist es überliefert – im 18. Jahrhundert als Laboratorium.

Pfarrer Becker hatte sich in der Region einen Namen gemacht. Er beriet die Bergverwaltung der Freiherren von Fürstenberg, besaß Bergwerke in der näheren Umgebung bzw. war an einigen beteiligt. Südlich von Hellefeld errichtete er ein eigenes Schmelzwerk, und in der alten Vikarie führte er seine experimentellen Arbeiten durch.

Das Laboratorium diente Becker vor allem dazu, die Qualität verschiedener Erze zu prüfen, Schmelzversuche mit unterschiedlichen Zuschlägen durchzuführen, Legierungen zu testen und den Prozess im Schmelzwerk zu verbessern. Hier wurde entschieden, welche Erze sich lohnten, welche Verfahren verbessert werden konnten und wie das Schmelzwerk wirtschaftlich betrieben wurde.

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