Die Grube Weckmecke ist keine große – sie ist mürrisch und unberechenbar wie das Wetter hier oben auf dem Homertrücken. Mal gibt sie etwas preis, mal schweigt sie beharrlich. Der Thoneisenstein, vermischt mit Brauneisen, sitzt tief und hart. Wir arbeiten mit Spitzhacke, Grubenlicht und viel Geduld.
Jedes Jahr gab es dieselbe Ungewissheit: Kommt der Aufseher von der Hermannszeche und nickt, dürfen wir weitergraben. Sagt er nein, ruhen wir. Dann leben wir von Ersparnissen, vom Holzschlagen – oder wir gehen zu einer der anderen Gruben in der Nähe und fragen nach Arbeit.

Foto: Michael Kramer, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Nun, im Jahr 1860, ist die Grube wieder ruhig geworden. Nur noch zwei, manchmal drei Mann bemühen sich, sie am Laufen zu halten. Ich bin einer von ihnen.
Aber ich spüre es – meine Zeit ist nicht mehr lang. Mit meinen 37 Jahren bin ich schon ein alter Mann. Mein Rücken ist krumm von der Arbeit unter Tage, das Atmen fällt mir schwer, denn ich hab wohl mehr Erzstaub eingeatmet als frische Sauerländer Luft.

