Aus dem Tagebuch der Christina Gabriel
Christina Gabriel wurde 1766 in Siedlinghausen als Tochter einer Metzgersfamilie geboren. Von 14 Kindern überlebten 11 die Kindheit. Spätestens 1779 zog die Familie nach Arnsberg, wo Christina den größten Teil ihres Lebens verbrachte.

Mit 22 Jahren trat sie als Kammerjungfer in den Dienst der Ferdinandine von Weichs, verheiratet mit Friedrich Leopold von Fürstenberg, und lebte in Herdringen. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann, den Stallmeister Müller, kennen. Sie heirateten 1790 und zogen nach Attendorn. Die Zeit in Herdringen beschreibt sie als „vergnüglich“, wie sie wohl „nie ein Mädgen von meines gleichen genießt“. Es war die unbeschwerteste und schönste Zeit ihres Lebens.

Danach folgten Schicksalsschläge: Der Ehemann, „nie frech oder böße“, „ergab sich dem Trunke“. Seine Weinschänke und ein kleiner Gewürzhandel endeten im finanziellen Ruin. Das Ehepaar zog im Sauerland umher, stets auf der Suche nach einer Existenzgrundlage, die der Mann nicht bieten konnte. Zwei weitere Kinder wurden geboren. Schließlich verschwand der Ehemann zu den Soldaten und meldete sich erst Jahre später aus Bielefeld zurück, um Christina als „Soldatenweib“ nachzuholen. Christina, inzwischen mit drei Kindern nach Arnsberg zurückgekehrt, lehnte ab – obwohl sie dort keine familiäre Unterstützung fand. 1804 starb der Ehemann.

Christina Gabriel ließ sich zur Hebamme ausbilden und arbeitete anerkannt und erfolgreich in Arnsberg. 1813 heiratete sie einen Arnsberger Schneider. Ihr Tagebuch begann sie 1821, im Alter von 55 Jahren – allein das ist bemerkenswert. Der Inhalt, das Leben einer Frau aus einfachen Verhältnissen, die sich mit ihren Kindern allein „durchbringen“ musste, ist für uns heute kaum nachvollziehbar, aber zutiefst bewundernswert.

  1.  Dr. Erika Richter: Christina Gabriel, in: Sauerländer Heimatbund, 2011/2  ↩︎

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