Während wohlhabendere Familien ihre alten und kranken Angehörigen meist im eigenen Haushalt pflegten, war der Großteil der Bevölkerung auf Nachbarschaftshilfe oder Armenfürsorge angewiesen. Mit der Industrialisierung verschärfte sich die Lage der arbeitenden Schichten, und die Altenversorgung gewann zunehmend an Bedeutung.
Im Sauerland existierte bereits in Brilon mindestens seit 1346 – der ersten urkundlichen Erwähnung – das Hospital zum Heiligen Geist. Über Jahrhunderte bot es bis zu acht alten und bedürftigen Frauen Unterkunft und Pflege. Finanziert wurde es durch den städtischen Armenfonds, gespeist aus Schenkungen von Geld und Ländereien. Nach dem Stadtbrand von 1742 wurde das Hospital nicht wieder aufgebaut.

Heute ist es das Pastoratsgebäude.
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Die Einrichtung nahm Frauen auf, die keine Unterstützung durch Verwandte erhielten und als bedürftig galten. Im Mittelpunkt stand nicht medizinische Heilung, sondern Fürsorge. Auch Findelkinder wurden zeitweise aufgenommen. Damit kam das Hospital dem heutigen Verständnis eines Altenheims bereits nahe, wenngleich es nur einer kleinen Gruppe offenstand.
Viele spätere Altenheime im Sauerland entwickelten sich aus Krankenhäusern oder klösterlichen Einrichtungen. Ein einzelnes „ältestes“ Altenheim der Region lässt sich nicht bestimmen. Familie, Verwandtschaft und soziale Gemeinschaft bilden bis heute wichtige Säulen der Altenversorgung, besonders in ländlich geprägten Gebieten wie dem Sauerland. Altenheime im modernen Sinn entstanden erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts und sind bis heute auf die Unterstützung durch Angehörige und ehrenamtliche Helfer angewiesen.
Quelle: Gerhard Brökel: Aus der Geschichte des Krankenhauses Maria Hilf Brilon. Weyersdruck, Brilon 1997.
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