Haus- und Hofmarken
Auffällig an der Balkeninschrift des Böhmer-Hofes sind auch die zwischen den Worten angebrachten Zeichen: mehrfach geschwungene Linien mit eingerollten Enden. Dabei handelt es sich nicht um dekorative Elemente, sondern um sogenannte Hofmarken. Diese festgelegten Zeichen dienten früher zur Kennzeichnung eines Hofes oder Hauses. Häufig treten sie auch in Form von Kreuzen, Haken oder Winkeln auf. Trotz ihres runenähnlichen Erscheinungsbildes stehen sie in keinem Zusammenhang mit nordischen Schriftzeichen.
Haus- und Hofmarken fungierten als Besitzzeichen und fanden sich an Haustüren und Balken, auf Grenzsteinen, Truhen oder an besonderen, zum Hof gehörenden Bäumen. In früherer Zeit konnten sie auch Unterschriften ersetzen, etwa bei Verträgen oder Abgabenlisten. Bei Hofübergaben wurde die Hausmarke häufig vererbt oder leicht verändert, beispielsweise durch das Hinzufügen eines weiteren Strichs.
Geschichte des Böhmer-Hof
Besonders erwähnenswert ist die Geschichte des Böhmer-Hofes, auch „Niedersten Hof“ oder „Wulfes Hof“ genannt, zählt zu den ältesten Höfen im Kirchspiel Hellefeld. Seit dem 15. Jahrhundert befand er sich im Besitz des Klosters Rumbeck. Eine Urkunde aus dem Jahr 1470 belegt, dass Hans Wulf den Hof – wie zuvor bereits sein Vater Henneke – für zwölf Jahre pachtete. Der älteste erhaltene Pachtbrief stammt von 1518. Darin wird festgehalten, dass der Hof an Hans Wulf und seine Ehefrau Katharina Franziska verpachtet wurde, gegen eine jährliche Abgabe von zwei Gulden, vier Kannen Honig und vier Hähnen, „zahlbar zu Martini“ (=11. November). Später kam die Verpflichtung hinzu, Herrenhunde für den Kurfürsten zu halten.
Im 16. und 17. Jahrhundert blieb der Hof überwiegend in den Händen der Familie Wulf. 1596 genehmigte das Kloster die Ehe der Witwe Alheit Wulf mit Thönis aus Visbeck und bestätigte zugleich die bisherigen Pachtbedingungen. 1656 sowie erneut 1669 wurden Mitglieder der Familie Wulf als Pächter eingesetzt.
Schwierige Zeiten
Während des Dreißigjährigen Krieges erlitt der Hof, insbesondere durch die Einquartierung kaiserlicher Truppen, erhebliche Schäden. Vieh ging verloren, das Wohnhaus wurde beschädigt. Der kranke Pächter Gerhart Wulf war schließlich nicht mehr in der Lage, Pacht und Abgaben zu leisten. Eine Untersuchung aus dem Jahr 1684 stellte ein deutliches Missverhältnis zwischen hohen Schulden und geringem Vermögen fest.
Mehrere Versuche einer Neubesetzung des Hofes scheiterten. Auch eine geplante Verteilung der Ländereien unter die Dorfbewohner erbrachte nur geringe Erträge. Daher schloss das Kloster 1691 erneut einen Pachtvertrag mit dem bisherigen Kolonen Wulf, der sich zur schrittweisen Tilgung seiner Schulden verpflichtete. Bis 1709 waren diese weitgehend beglichen.
Das Haus in seiner heutigen Form wurde, wie schon erwähnt, von Johannes Franziskus und Anna Maria Kolck errichtet. Der Familienname erscheint in unterschiedlichen Schreibweisen, darunter Uffmkolk, Aufmkolk und Afmolck. Zwischen den Familien Aufmkolk und Böhmer bestanden bereits verwandtschaftliche Beziehungen: So waren die Eltern von Johannes Böhmer-Wulf (geboren 1787) Johannes Bömer und Elisabeth Afmolck. Johannes wird auf dem früheren Wulf-Hof gelebt und gearbeitet haben, daher der Zusatz Wulf hinter seinem Namen. Urkundlich – ím Zusammenhang mit dem Hof – wird der Name Böhmer erstmals 1843 erwähnt.

