Text: Sabina Butz und Christel Zidi

Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Der Arnsberger Identitätssschlüssel

Man kann die Geschichte auch aus der Gegenwart interpretieren: Wenn der Arnsberger Graf Heinrich I. (* um 1128; † 1200) nicht das Sakrileg begangen hätte, seinen Bruder während einer Messe verhaften zu lassen – und dieser Bruder nicht in der Haft verstorben wäre –, hätte es wahrscheinlich kein Kloster Wedinghausen gegeben, und die Geschichte Arnsbergs wäre völlig anders verlaufen.
Man kann sogar noch weiter gehen: Hätte Heinrich den Bruder nach der Messe verhaften lassen, sagen wir irgendwo außerhalb des Kirchenumfelds, wäre die Nachricht heute allenfalls eine kleine Randnotiz in der Geschichte Arnsbergs wert.

Foto: Jörg Braukmann, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Der Erzbischof von Köln, Heinrich der Löwe (Herzog von Sachsen) und weitere Bischöfe Westfalens sannen auf Rache, eroberten und zerstörten 1166 die Burg Arnsberg. Heinrich musste fliehen. Durch die Fürsprache Kaiser Barbarossas und eine Selbstdemütigung vor dem Kölner Erzbischof konnte Heinrich I. seine Herrschaft retten. Zur Sühne gründete er 1170 das Prämonstratenserstift Wedinghausen, das als „Kloster Wedinghausen“ in der Gegenwart mit überraschenden Schätzen aufwartet:

Beginnen wir mit der Tumba (Hochgrab), in der die Grafen Heinrich I. und sein Sohn Heinrich II. sowie dessen Gemahlin Ermengard im 13. Jahrhundert beigesetzt wurden. Auf dem Hochgrab befinden sich die Liegefiguren Heinrichs II. und seiner Ehefrau Ermengard. Das ca. 80 × 200 cm große Grab ist mit wertvollen Fresken ausgestattet – eine ursprünglich in Flandern verbreitete Grabgestaltung, die aus Westfalen bislang nicht bekannt war. Hier wird deutlich, dass Westfalen, und darin Arnsberg, schon im Mittelalter Teil eines überregionalen kulturellen Austauschs war.

Foto ganz oben: BigBadJohn, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

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