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Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Sage und Wirklichkeit liegen manchmal näher beieinander, als es zunächst scheint. So ist für Oberhenneborn aus dem 19. Jahrhundert tatsächlich salzhaltiges Wasser belegt.
Im Jahr 1841 ließ der Bödefelder Bürgermeister Hundt das Wasser einer Quelle bei Oberhenneborn von Sachverständigen untersuchen. Das Ergebnis lautete, „daß sich einige Salzanteile darin befinden, aber zur Gewinnung von Salz die Kosten nicht gedeckt würden“. Für eine wirtschaftliche Nutzung war der Salzgehalt demnach zu gering. Wo diese Quelle genau lag, ist heute nicht mehr bekannt.
Doch könnte es sich um jene geheimnisvolle Quelle gehandelt haben, um die sich eine alte Sage rankt? Erinnerte man sich damals noch an den Ort, an dem die sagenumwobene „Soolbeke“ zutage trat?
❦ Die Sage von der Salzquelle zu Oberhenneborn ❦
Südlich von Oberhenneborn, dort, wo heute die Friedenseiche steht, soll sich im Mittelalter ein Totenturm befunden haben. Hier wurden Verstorbene auf dem Weg zum Friedhof in Wormbach über Nacht aufgebahrt. Ganz in der Nähe entsprang einst eine Quelle, deren Wasser Salz enthielt.
Der Sage nach erkannte ein wohlhabender Graf den Wert dieser Quelle. Er wollte das salzhaltige Wasser nutzen, vielleicht sogar eine Saline anlegen und Salz gewinnen lassen. Doch dazu sollte es nicht kommen.
Ein anderer Salzherr soll den Grafen um die Quelle beneidet haben. Am 4. Juli 1250, so erzählt es die Überlieferung, wurde der Graf ermordet. Wer er gewesen sein soll, ist allerdings nicht eindeutig überliefert. Genannt werden ein Graf Carl von der Reck und an anderer Stelle ein Konrad Graf von der Sonde.
Die Angehörigen wollten den Toten auf dem Wormbacher Friedhof beisetzen. Doch bei Einbruch der Dunkelheit erreichte der Trauerzug Oberhenneborn. Die Leiche wurde deshalb im Totenturm auf dem Todesbruch aufgebahrt, wo ein Wächter die Nacht über bei ihr blieb.
In dieser Nacht erschien der Sage nach plötzlich ein geheimnisvoller schwarzer Ritter. Er trug Panzer und Helm und soll gerade aus dem Heiligen Land zurückgekehrt sein. Sein Name war Rondo.
Wer dieser Ritter war – ein Freund, Verwandter oder Gefolgsmann des Grafen –, verrät die Überlieferung nicht. Als Rondo jedoch die Leiche sah, soll er tief erschüttert gewesen sein. Er ging zur Salzquelle, füllte seinen Helm mit Wasser und goss es wieder aus.
Dann sprach er: „Geheiligter Quell, mindere deine salzige Flut, aber versiege nicht ganz zum Andenken an den Ermordeten.“
Kaum hatte er diese Worte gesprochen, begann die Erde zu dröhnen. Die Quelle schäumte auf, das Wasser rauschte und zischte. Schließlich, so erzählt die Sage, verschwanden die salzhaltigen Wasser im Inneren des Wehlbergs. Zurück blieb nur ein kleines Rinnsal.
Ritter Rondo aber schwor, den Mörder des Grafen zu finden und dessen Tod zu rächen. Dann verschwand er in der Dunkelheit.
Am nächsten Morgen setzte sich der Trauerzug wieder in Bewegung. Der Tote wurde nach Wormbach gebracht und dort beigesetzt.
Der Mörder, so will es die Sage, fand von da an keine Ruhe mehr. Geächtet und verfolgt irrte er durch einsame Wälder. Schließlich soll Ritter Rondo ihn im Thüringer Wald gefunden und getötet haben.
Doch damit endet die Geschichte noch nicht. Noch lange erzählte man sich, im Tal südlich von Oberhenneborn sei um Mitternacht manchmal ein geheimnisvolles Licht zu sehen. Es ziehe zur Quelle hinab, während aus der Tiefe leises Klagen zu hören sei.
(Modern nacherzählt)
Die große Salzquelle, von der die Sage erzählt, kehrte nicht zurück. Ein kleines Gewässer soll jedoch geblieben sein, das den Namen Soolbeke trug – eine Erinnerung an das salzhaltige Wasser.
Ob die 1841 untersuchte Quelle tatsächlich die sagenhafte „Soolbeke“ war, lässt sich heute nicht mehr klären – doch ganz ohne wahren Kern scheint die alte Sage nicht gewesen zu sein.
Quellen:
Albert Groeteken: Sagen des Sauerlandes
www.oberhenneborn.de

