Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Wie in der Sakristei von St. Laurentius ein mittelalterliches Möbelstück wiederentdeckt wurde.
Jahrhundertelang stand er dort, wo er immer gestanden hatte: in der Sakristei der Propsteikirche St. Laurentius in Arnsberg. Ein großer, alter Schrank, genutzt zur Aufbewahrung von Messgewändern und liturgischen Geräten. Niemand ahnte, dass sich hinter seinen Brettern eines der ältesten erhaltenen Möbelstücke Südwestfalens verbarg.
Erst während der Sanierungsarbeiten (2015-2021) am ehemaligen Prämonstratenserstift Wedinghausen, kam Bewegung in die Geschichte des unscheinbaren Möbelstücks. Im Ostflügel des Klosters, der nach mehr als 200 Jahren bald wieder von der katholischen Shalom-Gemeinschaft[1] genutzt werden sollte, trat in der Sakristei ungewöhnlich viel Staub auf. Die Ursache schien zunächst rätselhaft. Wände und Decke waren intakt. Der Verdacht fiel schließlich auf die Nische an der Nordseite des Raumes, in der der alte Sakristeischrank stand.
Als Handwerker die Verkleidungen entfernten und einen Blick hinter den Schrank werfen konnten, fanden sie zwar die Ursache des Staubs – ein altes Loch in der Decke. Doch die eigentliche Entdeckung lag im Möbel selbst. Fachleute der LWL-Denkmalpflege erkannten schnell, dass der untere Teil des Schranks deutlich älter war als bisher angenommen.
Bei genauer Untersuchung offenbarte sich ein Meisterwerk mittelalterlicher Handwerkskunst. Der fast vier Meter lange Schrank war ursprünglich in acht Fächer unterteilt und besaß kunstvoll gefertigte Brettertüren mit schmiedeeisernen Beschlägen.
Sogar ausziehbare Ablagen waren integriert, auf denen Bücher, Kelche oder Messgewänder abgelegt werden konnten. Über die Jahrhunderte wurde der Schrank mehrfach umgebaut und an neue Bedürfnisse angepasst, doch sein mittelalterlicher Kern blieb erhalten.
Foto links:
Peter Barthold @ LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen

Foto ganz oben: Peter Barthold@LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
[1] Die Shalom-Gemeinschaft nutzte den Ostflügel des ehemaligen Stiftes bis zum Sommer 2025. Nun wird dieser Bereich, so ist es vom Erzbistum Paderborn geplant, zum geistlichen Zentrum ausgebaut.

