Text: Christel Zidi
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Beitrag mit erzählerischen Ergänzungen
Der französische Geistliche zog den Mantel enger um sich, als er am Morgen des 24. Februar 1793 den Weg von Wildewiese hinab ins tiefer gelegene Hagen nahm. Die Nacht war kalt gewesen, und ein feiner Nebel hing noch über den Höhen des Sauerlandes.
Seit einiger Zeit lebte er oben in Wildewiese. Erst wenige Jahre zuvor war er aus Frankreich geflohen, als die Wirren der Französischen Revolution die Kirche erschütterten und Männer wie ihn zur Flucht zwangen. Hier, im Sauerland, hatte er Zuflucht bei den Laneurs gefunden – einer Familie aus seiner Heimat, die ihn aufgenommen hatte.
In einem einfachen Zimmer las er die Messe. Seit dem 1. Februar 1793 mussten die Menschen aus Wildewiese sowie von den Höfen in Saal, Hohenwibbeke und Selbecke nicht mehr zur sieben Kilometer entfernten Pfarrkirche nach Schönholthausen laufen.
Als er Hagen endlich erreichte, blieb er abrupt stehen. Was er sah, ließ ihn unwillkürlich das Kreuz schlagen. Der Ort lag vor ihm – und doch schien nichts an seinem Platz: Wagen lagen auf der Seite, Karren ragten schief in den Himmel. Ein Rad berührte den Boden, das andere zeigte trotzig in die Luft. Gerätschaften waren verschwunden, ins Feld geschoben oder an die Wegränder gerückt.
„Mon Dieu …“, murmelte er fassungslos und ging langsam weiter. Sein Blick fiel auf die Kirche: die St.-Nikolaus-Kirche in Hagen. Alt und unverrückbar stand sie an ihrem Platz. Ein leises Lachen ließ ihn aufhorchen. Einige Dorfbewohner richteten bereits die Wagen wieder auf. Männer fluchten halbherzig, während andere schmunzelten. Ein Junge zeigte stolz auf einen besonders kunstvoll umgelegten Karren.
Der Priester war vollends verwirrt. Zum Glück kam in diesem Moment ein älterer Mann auf ihn zu: „Keine Sorge, Hochwürden. Das ist nur ein alter Brauch – ein Spiel der Jugend in der Nacht des St. Tigges. Äh, Tigges sagen wir hierzulande, aber gemeint ist der Heilige Matthias.“ „Ah, der Saint Patron von Handwerker und Hirten.“ Der Geistliche atmete auf.
Foto oben: Michael Kramer, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

