Text: Christel ZIdi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Ist Ihnen auch schon einmal aufgefallen, dass manche Familiennamen einfach zu manchen Orten gehören? Das hat in erster Linie damit zu tun, dass die Bevölkerung bis ins 19. Jahrhundert wenig mobil war. Menschen heirateten meist innerhalb des eigenen Kirchspiels oder der Nachbardörfer oder anders gesagt: „Man heiratet im Dorf“. 

Diese Tatsache macht es Genealogen leicht, Familiengeschichten bis zu 500 Jahre zurückzuverfolgen. Dazu nehmen sie sich zuerst meist die alten Kirchenbücher vor. Für weiter zurückliegendes sind die Schatzregister, die alten Steuerlisten des Herzogtums Westfalens äußerst aufschlussreich.

Ein Steuerregister kann mehr sein als ein Steuerregister
Ursprünglich waren Steuerregister Instrumente der fiskalischen Kontrolle; heute sind sie lebendige Zeugnisse der Ortsgeschichte. Sie bewahren die Namen der Vorfahren und erlauben einen Blick auf ihre Lebensumstände, ihre Arbeit, ihre familiären Bindungen und ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten.

Das Beispiel der Stadt Olsberg
Nehmen wir als Beispiel die Stadt Olsberg. Im 17. Jahrhundert gab es in Olsberg eine sehr überschaubare Dorfgemeinschaft: Sippen und Namen (22 Häuser und 33 Familien im Jahre 1669), die  weitgehend überliefert sind und den Ursprung vieler heute noch bekannter Familien im Tal der Ruhr bilden.
Der Heimatforscher Josef Rüther ging davon aus, „daß der größere Teil von den genannten 19 Olsberger Familien- 8 Kölnische und 11 Waideckische Freye – schon mehrere hundert Jahre in Olsberg ansässig ist.“ Rüther vermutete, dass die ersten um 800 „ins Land kamen, nachdem Karl der Große, der 772 die Eresburg – das heutige Obermarsberg – erobert hatte und zur Sicherung der Ruhr=Diemel=Straße auf dem Borberg eine der vielen „curtis“ angelegt hatte, eine Wallburg.

Gerade am Beispiel Olsberg wird deutlich, wie eng individuelle Familiengeschichte und allgemeine Strukturentwicklung miteinander verflochten sind und wie sehr die Geschichte Olsbergs von Beharrungskraft und zugleich von Wandel geprägt wurde.

Das älteste herangezogene Dokument, das Lagerbuch von 1427, nennt bereits zahlreiche Familien, die in Olsberg und den umliegenden Orten ansässig waren. Namen wie Schetten, Betten, Steinrücken, Krüper, Rüther, Schulte oder Schmitt begegnen hier zum ersten Mal und lassen sich zum Teil über Jahrhunderte hinweg weiterverfolgen. Auffällig ist die frühe Unterscheidung zwischen „Kölnischen“ und „Waldeckischen Freyen“, was auf die komplizierten Herrschafts- und Gerichtsverhältnisse in der Region verweist. Trotz politischer Spannungen zwischen Kurköln und Waldeck blieb Olsberg im Kern ein Dorf freier Bauern.

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