Blick auf Attenberg auf Stockum

Text: Sabina Butz

Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Von der Landwirtschaft zur Industrialisierung

Stemel als Ortsteil von Sundern bietet eine für das landwirtschaftlich geprägte Sauerland  interessante und ungewöhnliche Geschichte: Vom abgelegenen Gut mit wechselnden Besitzern vor 1600 entwickelte er sich zu einem heute attraktiven und lebenswerten Dorf. Dafür brauchte es nur einen handwerklich geprägten, technisch interessierten und lokal verwurzelten Gutsherrn mit Unternehmergeist. Genau das war Clemens Severin im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Severin hatte durch Heirat einen Gutshof mit wenigen Höfen übernommen, der bis dahin rein landwirtschaftlich geprägt war. Stemel wurde 1286 erstmals urkundlich als Stembule erwähnt. Der Name leitet sich aus dem germanischen Sprachgebrauch ab und bezeichnet einen mit Baumstümpfen bestandenen Hügel oder eine durch Rodung markierte Anhöhe. Die Einwohnerzahl dürfte über Jahrhunderte hinweg eher im zweistelligen Bereich gelegen haben – bis Clemens Severin die Wende brachte. Heute zählt der Ort mehr als 1.000 Einwohner, Tendenz weiter steigend.

Die Familie Severin wird bereits im 18. Jahrhundert im Röhrtal und in Hüsten im Zusammenhang mit Handwerk und kleineren Gewerben genannt. Sie gilt als typische „Aufsteigerfamilie“ der frühen Industrialisierung im Sauerland. Im 19. Jahrhundert war es nicht ungewöhnlich, dass Unternehmer nicht mehr aus dem Adel, sondern aus Handwerkerfamilien stammten, die durch Heirat zu Besitz gelangten.

Als Unternehmer mit technischem Verständnis ließ Severin die erste Papiermühle im Röhrtal errichten. Seit 2014 erinnert ein Mühlstein in Stemel an dieses frühe Industrieprojekt. Die Papiermühle war klein, aber produktiv: Produziert wurde Packpapier, das in der wachsenden Industrie stark nachgefragt war. Die Fabrik brannte mehrfach ab, wurde jedoch stets wieder aufgebaut.

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