Text: Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Eslohe, eine Gemeinde im Hochsauerlandkreis mit knapp 9.000 Einwohnern, wurde erstmalig 1204 als Sitz der Ritterfamilie von Esleven erwähnt. Der Name Eslohe könnte vom altsächsischen Wort für „Schlucht“ (=“los„)“, also „Siedlung in einer Schlucht“ abgeleitet sein. Alternativ bietet sich auch die Ableitung von „Eseloh“ (nicht das Tier, sondern eine ältere Bedeutung für eine Mulde) an.
Die St. Peter und Paul Pfarrkirche, vermutlich eine Tochterkirche der Urpfarrei Wormbach, wurde schon in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts gegründet und ist sicherlich die größere historische Attraktion im Vergleich zu der kleinen, bescheidenen Rochuskapelle, die 1637 auf dem Steltenberg errichtet wurde und als das älteste Bauwerk Eslohes gilt.
Ein kleiner verputzter Saalbau mit Dachreiter und einer Bronzeglocke von 1769 fasziniert insbesondere durch einen fragmentarischen Wandmalereizyklus aus dem 17. Jahrhundert. Sie diente als Pestprozessionskapelle. Die Pest im Sauerland trat verstärkt während des dreißigjährigen Krieges auf. Hunger, schlechte hygienische Bedingungen und eingeschleppte Krankheiten, z. B. von marodierenden Soldaten hatten verheerende Folgen. Sie führte zur Dezimierung der Bevölkerung und verbreitete Schrecken und Elend in großem Ausmaß. Die Menschen sahen damals nur eine Möglichkeit, die Pest zu bekämpfen: Die Hilfe eines Heiligen wurde angerufen und dem Heiligen wurden Versprechen gemacht, die ihn überzeugen sollten, dass seine Hilfe auch anerkannt wurde. Ein solcher Heiliger war Rochus von Montpellier, der zwischen 1295 und 1379 lebte und einer der wichtigsten Pestheiligen Europas wurde. Die Legende besagt, dass er selbst ebenfalls an der Pest erkrankte. Die Figur des Rochus in der Kapelle zeigt ihn mit Pilgerstab, Pestwunde am Oberschenkel und einem Hund mit Brot, der ihn mit Nahrung versorgt haben soll.
Gesichert ist, dass die Kapelle 1637 als Dank an den Heiligen Rochus für das Ende der Pestepidemie errichtet wurde.
In Eslohe gibt es bis heute mehrere Legenden und Erzählungen über die Rochuskapelle. Eine davon ist so menschlich auf das Alltagsleben der Sauerländer ausgerichtet, dass sie bis heute noch wirksam nachempfunden werden kann: Als die Pest in Eslohe wütete, beschlossen die Einwohner, dem Heiligen Rochus eine Kapelle auf dem Steltenberg zu errichten, damit er sie von der Pest befreie. Sie gelobten, die notwendigen Steine ohne Hilfsmittel selbst den Berg hinaufzuschleppen. Gesagt, getan, und tatsächlich ließ die Pest nach. Ebenso ließen aber auch die Bemühungen der Esloher nach. Es war halt doch sehr beschwerlich, die Steine den Berg hochzuschleppen und man benutzte zunehmend wieder Karren und andere Transportmittel. Was kommen musste, kam: Die Pest kehrte zurück. Die Einwohner besannen sich auf ihr Versprechen und schleppten das Baumaterial wieder selber. St. Rochus erhörte sie und die Pest verebbte.
Man braucht keinen pädagogischen Zeigefinger, sondern nur ein wenig Lebenserfahrung um sich zu erinnern, wie oft wir in unserem Leben schon die kleinen und großen Vorsätze schleifen gelassen haben.
Foto: Walter Koch at German Wikipedia, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

