Text: Christel Zidi
Hoch über dem Wennetal, zwischen Wenholthausen und Oesterberge, befindet sich seit 1829 ein kleiner jüdischer Friedhof. Die fünf Grabsteine sind fast vollständig vom Moos überzogen, doch ein genauer Blick auf den größten Stein lässt die Inschrift noch erkennen: „Rosette Würzburger, geborene Löwenstein, aus Cobbenrode“. Wer war diese Frau, die vor fast zweihundert Jahren hier beigesetzt wurde?
Rosette Löwenstein wurde 1809 geboren und wuchs in einer Zeit auf, die für Juden auf dem Land nicht einfach, aber noch erträglich war. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts lebten Juden in Eslohe und den umliegenden Dörfern; bis 1900 waren es jedoch nie mehr als 20 Personen. Ein Betraum für die Juden von Eslohe und den benachbarten Gemeinden war vorhanden.
Rosette heiratete Baruch Würzburger, den Sohn der verstorbenen Handelsleute Bernhard Würzburger und Lisette Löwenstein. Gemeinsam führten einen Laden mit „Ellen- und Spezereienwaren“, also Textilien und Gewürzen. Baruch war zu der Zeit als einziger selbstständiger Jude im Ort verzeichnet. Die Familie bewohnte in Cobbenrode das Haus Nr. 31.
Aus ihrer Ehe gingen sieben Kinder hervor. Doch das Glück war nicht immer auf ihrer Seite: 1857 erkrankten drei ihrer Kinder an der Ruhr und verstarben früh. Diese Verluste hinterließen tiefe Spuren, doch Rosette hielt die Familie zusammen und sorgte für die vier überlebenden Kinder: Isaac, Sara, Bernard und Schönette.
Isaac und Sara blieben zunächst in Cobbenrode, während Bernard 1869 eine neue Heimat in Detroit/USA fand. Dort schloss er sich der westfälischen Auswanderergemeinschaft an. Schönette, die jüngste Tochter, heiratete 1877 in Eslohe den Metzger Heinemann Goldschmidt.
Rosette selbst überlebte ihren Mann Baruch, der 1880 in Cobbenrode verstarb, um fünfzehn Jahre. Bis zu ihrem eigenen Tod im Jahr 1895 lebte sie weiterhin in Cobbenrode und wurde schließlich auf dem jüdischen Friedhof am Jaitstein bei Wenholthausen beigesetzt.
In Cobbenrode lebten 1818 sieben Juden, 1895 waren es drei, 1899 acht Juden.
1842 wurde seitens der Regierung Arnsberg die Einrichtung des Synagogenbezirks Eslohe erwogen, lt. Statur wurden stattdessen aber 1855 die jüdischen Einwohner des Amtes Eslohe dem Synagogenbezirk Lenhausen (heute Finnentrop) zugeordnet, wobei Eslohe und die Gemeinden des Amtes Eslohe eine organisatorisch selbständige Untergemeinde bildeten.
Quelle: https://www.lwl.org/hiko-download/OA_AR/Eslohe_(Bruns)_324-328.pdf, familysearch.org, ancestry.de und http://www.familienbuch-euregio.de/
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