In der Kirche finden wir unter der Orgel das Grab von Friedrich dem Streitbaren. Dieser Friedrich war Regent der Grafschaft Arnsberg-Werl von 1092 bis 1124 und nicht gerade als friedlich oder sanft zu bezeichnen.

Weiter geht es mit dem „ältesten Kölner Bischofsstuhl“ – ein gepolsterter Vorläufer unserer Klappstühle, bestens geeignet für „gewichtige“ Männer. Das 900 Jahre alte romanische Kreuz, eines der ältesten im norddeutschen Raum, besticht durch seinen intensiven, tröstenden Ausdruck. Christus wird hier nicht als Leidender dargestellt, sondern als Souverän – als trostspendender König. Ein eindrucksvoller Moment für jeden Betrachter. In der Sakristei, in der ein wunderschöner Schrank („älter als 700 Jahre“) noch immer in Gebrauch ist, wird die Chorkleidung aufbewahrt.

Ein Fenster vom Kreuzgang in den Kapitelsaal erlaubte weltlichen Menschen Einblick in die Vorgänge und Rituale im Kloster.
Es könnte sich auch um ein sogenanntes „Frauenfenster“ gehandelt haben – dann wären wir hier vielleicht schon bei den zögerlichen Anfängen der Frauenemanzipation?

Es gibt noch mehr zu bestaunen: Gleich neben dem Kapitelsaal befand sich das Scriptorium (Schreibsaal), ausgestattet mit der ältesten Luftheizung des Mittelalters. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert und konnte einen ca. 70 m² großen Raum auf 20 Grad erwärmen.

Die Bedeutung Wedinghausens war in früherer Zeit enorm hoch. Hier war die Prominenz und Intelligenz der Grafschaft vertreten. Die Klosterbibliothek war eine der umfangreichsten im Westen – auch der Gero-Codex befand sich lange in ihrem Besitz. Das Scriptorium war überregional bekannt.

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